Raphael Hefti – Priscilla Hobeika

Saskia hält ihre rechte Hand unruhig in die Höhe.
Bereits 20 Minuten sind vergangen und das gehäuselte Blatt ist unverändert geblieben,obwohl der Auftrag der Lehrerin klar war.
Jeder Schüler soll die Häuschen auf dem Blatt so ausmalen, dass am Ende der Lektion ein Muster zu erkennen ist.
Saskia muss einmal mehr nachfragen wie der Wunsch von Frau Kunz lautete.
Nachdem die 4.-Klässlerin verstanden hat, was zu tun ist, sträubt sich etwas in ihr den Auftrag auszuführen.Sie hasst diese unendlich vielen Häuschen auf dem vor ihr liegenden A4 Blatt.
Diese Quadrate sind schuld daran, dass sie die schlechteste Note in Schönschrift hat. Doch ihre A’s und H’s sind nun mal grösser als zwei solche Kästchen. Und ihre C’s sind eben nicht so schnell gewachsen wie die der anderen Mitschüler.
Die Unruhe in dem kleinen Mädchen wird sichtbar. Ihre langen und bereits etwas zerzausten Zöpfe schaukeln hin und her.Ihre Füsse klopfen gegen den Holzboden. Das Klopfen wird zu einem regelmässigen Rhythmus, der die Lehrerin am grossen Pult aufmerksam macht.Ein ermahnender Blick von Frau Kunz genügt nicht. Sie droht, Saskias Magnet von Orange auf Rot zu verschieben, wenn Saskia das Klopfen nicht sofort unterlassen würde. Das rothaarige Mädchen ersetzt das Klopfen mit dem Drehen einer Strähne, die ihr über die Stirn hängt.
Angestrengt versucht es, sich verschiedene Muster auszudenken und wird dabei immer nervöser. Alle symmetrischen und geometrischen Formen vermischen sich langsam vor seinem inneren Auge.
Nun greift es zu den Farben, die ihm zur Verfügung stehen. Im Gegensatz zu den anderen Kindern nimmt Saskia mehrere Stifte in ihre linke Hand und malt damit endlose Kurven und Wege auf das karierte Blatt. Es entstehen bunte Strassen, die ihren Weg durch die Quadrate bahnen.Mit einem zufriedenen und etwas stolzen Lächeln schreitet sie an den Pult der Lehrerin und gibt das Blatt ab.
„Fertig, Frau Kunz!“

Priscilla Hobeika