Haus – Noemi Blattner

Die Verschiebung der Räumlichkeit

Mit 4 Jahren ging ich in den ersten Kindergarten. Vor dem Kindergarten hatte es eine „hohe“ Mauer, zumindest war sie für mich damals sehr hoch. Immer nach dem Kindergarten, am Mittag, war es für uns Kinder ein Spass, auf der Mauer entlang zu laufen. Die Mauer war so hoch für uns, dass es immer eine grosse Herausforderung war, auf ihr zu balancieren. Es kam mir vor, als liefe ich am Rande eines tiefen Abgrunds oder auf einer steilen Klippe, von wo man durch nur einen falschen Tritt hätte tief in die Tiefe stürzen können.

Einmal bin ich für einen Jungen wohl zu langsam gelaufen und er hat mich von der Mauer gestossen. Bei diesem Sturz zog ich mir einen komplizierten Armbruch zu. Die Mauer kam mir dann so unendlich hoch und gefährlich vor. Wenn ich heute an der Mauer vorbeilaufe, denke ich jedes Mal an meinen Sturz zurück, und wie hoch ich die Mauer als Kindergartenkind empfand. In Wirklichkeit aber ist es nur ein Mäuerchen, das mir bis zu den Schultern reicht.

Noemi Blattner