KULTUR = KAPITAL – Roberto Leone

Wenn man diese Arbeit anschaut, dann denkt man zunächst einmal kritisch. Was soll ein derart grosses Werk inmitten des Oerlikoner Marktplatzes? Und obwohl es eigentlich fast schon monströs ist, kann man es doch leicht übersehen. Eine solche Arbeit sollte nicht an der oberen Kante eines Gebäudes befestigt sein. Sie sollte viel mehr ins Zentrum rücken, um ein Übersehen zu vermeiden. Nebst dem räumlichen Ort bietet natürlich auch der wortwörtliche Inhalt des Werkes genügend Gesprächsstoff. Meiner Meinung nach übt der Verwirklicher des Werkes, Alfredo Jaar (der sich auf Joseph Beuys bezieht), vor allem eine Kritik am heutigen Kapitalismus. In der heutigen Gesellschaft werden vermehrt Schweizer Kulturgüter vermarktet, um daraus Profit zu schlagen. Alfredo Jaar selbst hingegen vertritt die Meinung, dass Kultur einfach nur Kunst ist. So könnte man doch auch selbst behaupten, dass die Kunst menschliches Kapital ist, welches zugleich verbindet als auch entfernt. Diese These würde nämlich viel besser zur Arbeit passen, da wir uns in der Schweiz befinden – dem multikulturellen Land überhaupt. Viele Menschen haben die gleiche Kultur und fühlen sich so verbunden. Gleichzeitig fühlen sie sich auch entfernt voneinander genau wegen den unterschiedlichen Kulturen. Aus diesen wenigen Sätzen könnte man demnach schliessen, dass Religion = Kapital ist. Das ist natürlich eine provokative Aussage. Man kann durchaus behaupten, dass das auf einige Religionen zutrifft. So stehen vor allem die arabischen Emirate mit dem Islam hier im Vordergrund. Viele wohlhabende arabische Geschäftsmänner sind religiös. Aber natürlich darf man diese Behauptung nicht pauschalisieren, da sie mit Sicherheit nicht auf alle Religionen zutrifft. Eine weitere interessante Anregung wäre: Kunst = Geldwäscherei. Vor allem in unserer heutigen Gesellschaft werden für Kunstwerke Millionenbeträge verlangt. Da denkt man sich schon einmal: «Ich könnte es sogar besser! Wieso wird für meine Arbeiten nicht so viel verlangt?» Leider bezahlt man heutzutage vermehrt für den Namen des Künstlers und nicht für die Arbeit selbst. So kann man durchaus sagen, dass Geld und Kunst nahe bei einander sind.

Roberto Leone